Von Otta nach Budsjord. Normalerweise 37 km, 8 Stunden, 519 hoch, 172 runter, Weghöhe 296 bis 650 m
Karl wartet auf den Bus, ich auf den Zug
Aber: Heute fahre ich Zug, von Otta bis Dovre – 13:28 bis 13:51 Uhr und dann noch 3,7 km, um 15:15 Uhr bin ich da. Kein Bett mehr frei, Zelten nur außerhalb des historischen Bereichs – ich finde einen Weg ohne Zelt.
Budsjord historisk gard
Mit allem zufrieden. Morgen früh brauche ich kein Zelt zu trocknen.
Das steht heute in den Losungen:
Losung vom 24. Juli 2019
Ich will auf den HERRN schauen und harren auf den Gott meines Heils; mein Gott wird mich erhören.
Micha 7,7
Zum Empfang gab es Waffeln mit Pflaumenmus und Sahne mit Kaffee.
Von Kvam nach Otta, 24 km, 1018 m hoch, 952 m runter,Weg läuft auf 224 bis 635 m
Karl und ich haben beschlossen nicht nur die 12,5 km der Etappe zu gehen, sondern dann noch mal neun Kilometer weiter, damit wir in Otta ankommen.
Von Weg ist eigentlich gar nicht zu sprechen, es war mehr eine Kletterpartie. Drei Aufstiege, die eigentlich ganz passabel waren, aber die Abstiege waren eine große Herausforderung.
Um 18:30 Uhr waren wir dann da und haben uns ein Privatquartier ausgewählt mit vorherigem Anruf – wir kommen mit Hund. Als wir dann vor der Tür standen sagte uns die Gastgeberin, die leicht behindert war, mit Hund geht es nicht. Da sie nicht so gut Englisch sprach, habe ich es dann auf Schwedisch versucht und gefragt, ob sie auf dem Grundstück nicht eine Fläche für ein Zelt hätte. Sie hat dann viel auf mich eingeredet und ich bin selbst um das Haus gegangen und habe eine Fläche für mein Zelt gefunden. Trotzdem konnte sie sich nicht vorstellen, dass ich mit dem Hund in dem Zelt schlafe, das war wohl das erste Mal in ihrem Leben. Als ich sie dann fragte, ob sie mal auf ihr Herz hören könnte, sagte sie nach einigen Minuten ja. Wie gut, das ich Schwedisch spreche.
Die Dusche konnte ich mit nutzen, aber sie war so klein, das man sich darin gar nicht ausziehen konnte.
Der Abend mit Karl war lang und wir haben eine Seelenverwandtschaft herausgefunden.
Karl, unsere Gastgeberin und …
Greta mag Moschusochsen – nach anfänglicher Skepsis
Gut zielen, um den Pfeil auszusenden und ganz sicher sein, dass er sein Ziel trifft.
Was die meisten nicht wissen: Das griechische Wort Hamartia, das im Neuen Testament mit Sünde übersetzt wurde, meint Zielverfehlung.
„Du hast übers Ziel hinausgeschossen!“ Entschlossenheit allein reicht also nicht. Sie ist sicher die innere Kraft, die hilft, entschieden zu handeln. Aber sie braucht den Kontakt zur eigenen Intuition und Tatkraft.
Das ist der Kern von Leadership, von Respekt und Autorität – sowohl in der Selbstleitung wie in der Führung anderer. Bei Entschlossenheit geht es um die Kunst, immer wieder die innere Richtung im Leben zu finden und die Zusammenhänge wahrzunehmen, die aus den vielen Farben und Facetten des Lebens gewoben wurde. Das erfordert klaren Willen, Fokussierung, Überblick und Disziplin, so dass man einen ständig stabileren Halt auf der Lebenswanderung bekommt.
Für mich war und ist der lange Atem wichtig um dran zu bleiben. Und in allem Tun sich von den Fehlschüssen nicht entmutigen zu lassen.
Wer nichts macht, macht auch keine Fehler.
Ich lebe aus der Vergebung, die Christus mir geschenkt hat. Sie gibt mir die Kraft mir selbst und anderen zu vergeben. Sie war auch die Kraft in unserer Ehe.
Übrigens
Der Ratschlag „Sündige tapfer!“ stammt aus einem Brief, den Luther an seinen Freund Philipp Melanchthon geschrieben hat. Melanchthon war wie Luther Professor an der Universität in Wittenberg. Als Luther längere Zeit nicht in der Stadt sein konnte, musste Melanchthon ihn vertreten. Luthers neue Ideen sorgten für große Aufregung und Streit. In diesem Durcheinander sollte Melanchthon für Ruhe sorgen – und war total überfordert. Melanchthon war kein Anführer-Typ. Er hatte große Angst, Fehler zu machen. In Briefen hat er Luther um Rat gefragt. Und das war dann der Ratschlag, den er bekommen hat: „Sündige tapfer!“
Skulptur von Gitte Daehlin
Luther wollte dem Melanchthon sagen, der gern fehlerlos bleiben wollte: „Steh dazu, dass Du Fehler machst. Steh dazu, dass Du ein unvollkommener, eben ein sündiger Mensch bist. Tu, was Du zu tun hast, aber verabschiede Dich von dem Anspruch, perfekt zu sein. Mach tapfer und fröhlich Deine Fehler, es geht ja nicht anders“.
Und Luther hat dem Melanchthon noch zwei weitere Ratschläge dazugegeben: „Sündige tapfer, aber glaube noch tapferer“ und „bete tapfer!“. Melanchthon sollte sich also an Gott wenden, Gott sagen, wie es ihm geht und darauf vertrauen, dass Gott in schwierigen Situationen bei ihm ist und sie mit ihm durchsteht.
Von Sygard Grytting nach Kirketeigen Camping in Kvam
23,1 km, 1.254 m hoch, 1.333 m runter, Weghöhe 225 bis 613 m
In meinem Führer steht: „Üben für das Fjell! Wenn Sie die heutige Strecke hinter sich haben, können Sie alle Bedenken bezüglich der noch bevorstehenden Bergetappen über Bord werfen, denn sie werden circa 1.300 m Höhenmeter zurücklegen.“
Das kann ich nur bestätigen. Bin um 7:30 Uhr los und war 16 Uhr da. Hier ein paar Impressionen.
In Sygard Grytting vor der Selbstversorgerküche
Greta als Gatterkünstlerin
Mein Mitpilger Perry aus Holland sagt, dass er nicht religiös sei. „Ich bin mit allem verbunden!“
Es geht um den Ruhetag in der Woche, der Tag der dazu da ist um Dinge liegen zu lassen, bewusst los zu lassen, Schönes anzuschauen und Gutes zu genießen. Sabbat.(oder eben der Sonntag)
Christina Schöffler zitiert Tomas Sjödin und schreibt dazu weiteres Erhellendes auf ihrem Blog „Der Spatz in der Hand„
Die anderen sechs Pilger unserer Gruppe sind heute Morgen losgegangen, bei Regen. Ich genieße diesen Regentag, nach einem wunderbaren Frühstück.
Sonntagsgebet
Erzähle uns Gott vom Anfang der Welt
in wildem Tanz und verwoben die Menschen mit Himmel und Erde
Flüstere Deine silbernen Träume
in unsere müden Alltagsohren
Erzähle uns Deine Geschichten ganz neu
vom Suchen und Finden vom Ernten und Teilen
vom gelobten Land hinter der Zeit
Deine Wahrheit zeichne uns ins zerrissene Herz
Sprich Deine Liebe in unsere Einsamkeit Gott
und Deine Treue in unser ängstliches Leben
Schenke uns Gott Deinen luftigen Segen
Carola Moosbach, Rechte bei der Autorin,
mit freundlicher Genehmigung der Autorin
21,2 km, unterwegs von 8:00 bis 16 Uhr, 715 m rauf, 660 m runter, Weg läuft auf 197 bis 355 m
Diese Schilder sind Mutmacher
Leider hatte die Stabkirche Öffnungszeiten: 9 bis 17 Uhr, so bin ich los ohne drin gewesen zu sein.
Im Lauf des Tages lerne ich weitere Pilger kennen: Jonas aus Stade, Jennifer aus Hamburg und Andreas aus Wien.
Das Dale-Gudbrands Pilegrimssenter ist leider geschlossen. Es wird also nichts mit kostenlosem Kaffee für Pilger. So holen wir Kaffee im daneben liegenden Hotel.
Pause vor dem geschlossenen Pilgercenter mit Jonas, Ellen und Anthony
Unser Ziel ist Sygards Grytting. Seit 1534 in Familienbesitz ist es eine beeindruckende Anlage. Wir beschließen den Pilgermodus für einen Abend zu verlassen und melden uns für das 3-Gänge Menü an. Die Bilder sprechen für sich.
Die kleine Kapelle des Hofs
Die Pilgerrunde am gemeinsamen Tisch
Der Nachtisch hat das ganze Essen gekrönt
Wir treffen uns nach einer Hofführung alle in der Kapelle um dort mit dem Abendsegen den Tag zu beschließen. „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget“.
Am Abend fängt es an zu regnen. Einen Pausentag zu machen erweist sich als die richtige Entscheidung. Es ist ja auch Sonntag.
Bei Kraftfülle geht es darum, sich auf ein Ziel hin vorwärts zu bewegen. Während ich gehe, tritt das Ziel immer deutlicher hervor. Da sind Stärke und Ausdauer gefragt und der Mut, voranzugehen, auch wenn es Kampf bedeutet. Meist ist dieser Kampf der Kampf gegen sich selbst. Es bedarf einer Achtsamkeit, um innere und äußere Widerstände wahrzunehmen und sie zu überwinden. Die Herausforderung ist sich dem Wind, dem Regen, dem Sturm, dem Hochwasser oder anderen Widrigkeiten zu stellen. Es gibt kein Hindernis, dass so groß ist, dass es nicht überwunden werden kann.
Und sei es auch die norwegische Hybris, dass bei einer Hundebegegnung eine lebensbedrohliche Allergie ausgelöst wird.
Von seiner frühen Jugend an war Olaf durch eine große Kraft geprägt. Bevor er durch seine tiefere Bekehrung hindurchging, hatte die Kraft weder klare Richtung noch Ziel. Als junger Wikinger war seine Kraft ungezähmt und von den Idealen geprägt, die für jeden Wikinger wichtig waren: der eigene Gewinn und Reichtum. Die Nordmänner waren nicht nur Abenteurer und Räuber, sondern auch professionelle Krieger oder Söldner, die ihre Dienste jedem angeboten, der Bedarf hatte. Bis zu seiner Konversion in der Normandie hatten Olafs Unternehmungen keine klare Richtung. Seine Kraftfülle richtete großen Schaden an.
Auch das kenne ich: Wenn ich mich aus dem Wirkungsbereich des Heiligen Geistes entferne, richte ich Schaden an. In mir selbst und bei anderen, sowie an der Umwelt. Darum ist Achtsamkeit gefragt um in dieser positiven Kraftfülle zu bleiben. Es ist meine Königsenergie.
Von Mageli Camping zur Gildesvollen Pilegrimsherberge
20 km, 1074 m hoch, 1017 runter, Weg läuft zwischen 194 bis 406 m Meereshöhe
Heute Morgen bin ich schon um 8:00 Uhr los gegangen, weil es ab 9:00 Uhr regnen sollte. Es hat aber schon um sieben geregnet. So hat auch das Regenzeug jetzt seine Funktion erfüllt.
Gestern auf dem Campingplatz habe ich die ersten beiden Pilger getroffen. Gaby aus Göttingen und einen Mann aus Dänemark. Heute Morgen sind wir uns auf dem Weg wieder begegnet und es kamen noch zwei Schwestern aus Aachen dazu. In der Pilgerherberge traf ich dann einen weiteren Mann, einen Engländer.
Die Pilgerherberge ist in einem historischen Gebäude untergebracht, die Gastgeber sind eine norwegisch- niederländische Familie, sie betreiben eine Holzwerkstatt und im Winter eine Webschule.
Direkt daneben steht Ringebu stafkirke. Sie ist eine von nur noch 28 verbliebenen Stabkirchen in Norwegen.
Ankunft war um 15:15 Uhr. Fühle mich gut und Greta läuft wie ein Uhrwerk. Greta scheint es richtig Spaß zu machen.
Heute bin ich auch einem kleinen Olafskönig begegnet.