Stille – oder: Was die Voraussetzung ist, um Gott zu hören

Die Stimme Gottes –

die eintretende Stille

nach und nach

Das Schweigen verstummt nicht –

Schweigen ist unerschöpflich

Elazar Benyoetz

Eigentlich muss hier nur der Hinweis stehen, dass Du mal für ein paar Stunden eine Auszeit nimmst:

– Du machst Dein Handy aus.

– Du gehst raus in die Natur.

– Du bist mit Dir allein.

Stille erzeugt Frieden. Dadurch können Menschen hinhören und achtsam werden. Stille ist die Basis für ein Gebet. Wir lauschen auf Gott, um zu hören, was er sagt, und um herauszufinden, was Gott mit dir/mir und deinem/meinem Leben will. Dieser Weg entsteht, wenn Menschen zu ihrem stillen Raum finden.

Kein Laut ist zu hören, das öffnet für etwas Neues – dem sanften Säuseln Gottes im Herzen zu lauschen.

Das erhoffte ich mir bei dem Weg durch das norwegische Fjell und es war genau so.

Hör auf dieses feine, unaufhörliche Geräusch. Es ist die Stille.

Und hier ein Text von Ulrich Schaffer von mir bearbeitet:

Wir warten nicht lange genug

Wir warten nicht lange genug,

zu früh hören wir auf,

mit unserem Wesen zu lauschen.

Ehe die Landschaft zu reden beginnt

haben wir uns schon wieder in Schnelligkeit verstiegen.

Wir warten nicht lange genug,

zu früh hören wir auf,

mit unserem Herzen zu lauschen.

Ehe die Stimme Gottes zu hören ist

haben wir uns schon wieder Knöpfe ins Ohr gesteckt.

Wir warten nicht lange genug,

zu früh hören wir auf,

mit unserer Seele in Kontakt zu sein.

Ehe die Seele zu reden beginnt

Haben wir uns schon längst dem Außen zugewandt.

Wir warten nicht lange genug,

zu früh hören wir auf,

und sagen:

Ich hör nichts, ich spür nichts, ich seh nichts.

Ehe die Worte kommen, die Gefühle wehtun, die inneren Augen wahrnehmen.

Die Dialoge, die wir verpassen,

brauchen uns nicht um wirklich zu sein,

aber vielleicht brauchen wir sie,

wenn wir leben wollen

so wie Gott uns gemeint hat.

-—

Stille gehört mit zu den 7 Pilgerschlüsselworten nach der heiligen Brigitta von Schweden

15. Tag – Mittwoch 31. Juli

Unsere Hütten in Oppdal

Von Oppdal nach Hæverstølen, 24,3 km, 425 m hoch, 449 m runter, Weghöhe 532 bis 702 m,

Heute morgen hätte ich nicht geglaubt, dass ich diese Strecke schaffe. Mir ging es nicht gut, mein Magen und mein Darm funktionierten nicht normal und die Schmerzen von der überreizten Achillessehne sind zwar ein wenig besser, aber noch nicht weg. So habe ich mich dann auch erst um 10:30 Uhr auf den Weg gemacht, mit dabei waren Karl, Jennifer und Katrin. Ellen und Heike, die beiden Schwestern aus Aachen, waren schon 2 Stunden früher aufgebrochen.

Heike und Ellen

Um 18:30 Uhr waren wir dann tatsächlich am Ziel. Das besondere Ereignis dieses Tages war ein kleiner Hund, der uns mindestens 15 km begleitet hat, er war einfach nicht abzuschütteln. Kurz vor unserem Ziel hielt ein Wagen neben uns, ein Mann stieg aus und sagte:“This is my dog.“ und holte ihn zurück.

Hier die Bilder des Tages und von der Pilgerherberge Hæverstølen. Es ist wunderschön hier.

Karl freut sich und wir auch
Rast mit Jennifer

Und dies ist meine Hütte, zum ersten Mal ausdrücklich erwünscht.

14. Tag – 30. Juli Dienstag

Oppdal – ungewollter Pausentag – mir fällt eine der fünf Wahrheiten von Richard Rohr ein: „Du hast nicht die Kontrolle!“ Wie wahr. 10 km schaffe am Morgen, dann tut meine zusammengeflickte Sehne (vor 20 Jahren Achillessehnendurchriss) so weh, dass ich nicht mehr weitergehen kann. Also beschließe ich zu warten bis Stephan, der Norweger, Rositta zum Arzt nach Oppdal fährt. Es ist die einzige Straße hier im Tal, er muss hier vorbeikommen. Fünf Minuten warte ich, dann kommt ein Hamburger Wohnmobil, das ich stoppe. Eine junge Familie, die mich gerne nach Oppdal mitnimmt.

Gegen 17 Uhr kommen die ersten. Ich habe zwei Hütten reserviert und gemietet, zum Glück so früh, es waren die letzten. Karl geht einkaufen und kocht für alle. In dieser siebener Runde werden wir wohl nicht mehr zusammensein. Rositta hat vom Arzt Ruhe verordnet bekommen. Abendgebet und eine Runde: Was ist mir bis jetzt wichtig geworden, schließen den Abend ab. Mein Satz lautet: Zeig Dich und Du wirst gesegnet!

12./13. Tag – 28./29. Juli – Sonntag/Montag

Von Kongsvoll nach Ryphusan Refugium, 22 km, 1.197m hoch, 994m runter, Weghöhe 834 bis 1.312m

In Kongsvoll breche ich um 15:30 Uhr auf und merke nach 3 km, dass ich meinen Pilgerführer dort liegengelassen habe. Rufe an, und bitte den Hotelchef ihn an Heike auszuhändigen, die abends ankommt. Welch Glück Pilger vor und nach mir zu haben die ich kenne.

Die 3 km sind/waren so schlimm, dass ich richtig sauer war über die Wegführung. Auf der E6 zu gehen wäre nicht gefährlicher gewesen. Dann geht es nur noch hoch, ich schlage mein Zelt auf einer Höhe von 1.200m zwischen zwei Privathütten auf, die zur Zeit unbewohnt sind. Es ist 22 Uhr.

Übernachten auf 1.200 m – entspricht in den Alpen 2.200 m

Die Eindrücke der Natur sind unbeschreiblich. Totale Ruhe, ab und zu das Läuten einer Schafsglocke und Greta tobt wie eine Wilde um die Hütten. Wir schlafen gut und fest und morgens stelle ich fest, dass das Panzertape das Loch in meiner neuen Thermarestmatte nicht dicht hält und ich wieder am Boden liege.

Nach Müslifrühstück gehts die restlichen 10 km nach Ryphusan. Dabei überquere ich den höchsten Punkt des Olafswegs.

Der höchste Punkt des Olafswegs

Abends kommen zwei Männer und zwei Frauen aus Tschechien an. Es stellt sich heraus, dass es zwei Franziskaner und zwei Salesiaerinnen sind. Die Kommunikation läuft auf Englisch. Am nächsten Morgen segne ich sie und sie mich. Es ist für mich der bisher ergreifendste Augenblick des Weges.

Der Pausentag dort ist wunderbar. Ich war schwimmen oben auf dem Bergplateau, die Sonne hat mich getrocknet und ich bin total glücklich.

Rentierhackbällchen aus dem Hüttenvorrat

Gegen 11:30 Uhr kommt als erste Heike, bringt meinen Wegführer mit, dann nach und nach alle anderen bis die Hütte mit 8 Personen voll ist. Die restlichen 6 Pilger schlafen im extra aufgestellten Mannschaftszelt oder im eigenen Zelt.

Frisches Wasser aus den Bergen

Der Tag beginnt bewölkt, wird aber dann ganz schön und ich beschließe aus dem Tal auf den Berg zu klettern. Oben befindet sich zu meiner Überraschung ein kleiner See in dem ich schwimme.

Warmes Wasser zum Baden im Fjell

Das Wetter ändert sich und morgen werden wir nur noch 12 Grad und Nebel haben, statt 25 Grad und Sonne.

Wir warten alle auf Rositta, eine Österreicherin mit 72 Jahren, die schon Fußprobleme in Kongsvoll hatte. Als sie um 19:00 Uhr noch nicht da ist, mache ich mich auf den Weg ihr entgegen, um ihr den Rucksack abzunehmen. Ich treffe nach 2 km aber nur ein junges belgisches Paar, dass mir berichtet, dass Rositta uns bestellen lässt, sie bleibt in den Bergen heute Nacht. Sie hat kein Zelt. Wir haben telefonischen Kontakt mit ihr und informieren Sie, dass wir sie dort rausholen werden, denn sie ist nicht mehr in der Lage einen Schritt zu gehen. Es ist zieht eine Gewitterfront auf und wir entscheiden mit dem norwegischen Hüttenbesitzer, der auf dem gleichen Grundstück eine private Hütte hat, den Rettungsdienst zu informieren.

Um 22:00 Uhr sind die ersten Suchfahrzeuge in Ryphusan und starten die Suche.

Zwei Geländewagen und die Polizei informieren sich, wo Rositta sein könnte

Das norwegische Rote Kreuz mit Bergungsanhänger

Wir machen uns ernsthaft Sorgen. Um 1:30 Uhr in der Nacht finden Sie endlich Rositta und sind um 2:30 Uhr bei uns in der Hütte. Zum Glück rechtzeitig, 1 Stunde später wäre die große Rettungsaktion mit Hubschrauber ausgelöst worden.

Rositta hat zwar ein iPhone, wusste aber nicht, dass sie mit fünfmaligem Drücken der Austaste einen SOS Ruf mit GPS Daten hätte abschicken können, um die Suche zu erleichtern.

Als sie morgens zur Toilette gehen möchte, schafft sie es kaum. Sie bedankt sich für die Aktion, die 120.000 € gekostet hat – ich kann es kaum glauben. Von reichen Norwegern bezahlt!

Um 9:30 Uhr breche ich, nach gemeinsamen Morgengebet, Dankgebet für den guten Ausgang und Frühstück als Erster durch das Vinstradal auf nach Oppdal, 28 km, kann aber nach 10 km nicht mehr weitergehen, weil meine linke Sehne in der unteren Wade so sehr schmerzt. Ich beschließe ein Auto zu stoppen, das tatsächlich 5 Minuten später kommt und mich nach Oppdal mitnimmt, es sind Deutsche. Die Zivilisation hat mich wieder, und ich beziehe schon um 12:30 Uhr die Hütte, die wir für die kommende Nacht nutzen werden.

Heute bekommt Greta wieder Frischfleisch. Und ich habe einen Tag gewonnen, weil ich für die Tour nach Oppdal eigentlich zwei Tage geplant hatte. Ich danke Gott, dass er bisher für mich so gut gesorgt hat.

29. Juli – der Tag des Heiligen Olav

Wer war der Heilige Olav?

Olav war ein lokaler Wikinger-Fürst, der als Söldner in der Normandie (Rouen) Christ geworden war. Bei dem Versuch, die Wikingerstämme unter der neuen Religion zu einen, kam es zur Schlacht bei Stikklestad, in der Olav 1030 den Tod fand. Um seine Grablegung entstanden Legenden, nachzulesen in der Snorre-Saga „Rikskringla“. An seiner endgültigen Ruhestätte an der Mündung des Nidelv (Nidaros) entsprang eine Quelle, der heilende Wirkung nachgesagt wurde. Die Pilgerfahrt nach Nidaros (Trondheim) begann. So einte Olav nach seinem Tod das Volk der Wikinger unter dem Kreuz, was ihm mit Waffengewalt nicht gelungen war.

Heute wird Olav als der „Heilige König Norwegens“ verehrt. Sein Festtag ist der 29.07. Um diesen Tag herum wird in Trondheim das größte geistliche Volksfest des Nordens gefeiert: „Olsok“ mit den „Olavsfestdagene“ 

http://www.olavsfestdagene.no

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Leider auch heute keine Bilder. Kein Empfang und kein gutes Netz.

Hellhörigkeit – oder: Achtsamkeit

Geh Du vor…“, sagte die Seele zum Körper, „auf mich hört er nicht, vielleicht hört er auf Dich.“

„Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für Dich haben“, sagte der Körper zur Seele.

Ulrich Schaffer

In unserer Arbeit im Bereich der Schöpfungsspiritualität haben wir entdeckt, dass Gott auf sehr verschiedene Weise redet. Nicht nur durch sein Wort, die Bibel, nicht nur durch andere Menschen, Träume, Eingebungen und erleuchtende Gedanken, sondern auch durch die Natur. So kann ich plötzlich Antworten auf meine Lebensfragen finden, indem ein Baum mit mir spricht, Tierbegegnungen mir etwas spiegeln oder das Wetter mir einen Hinweis gibt, was für mich wichtig und dran sein könnte. Das Wichtigste dabei ist, dass ich mir meiner inneren Fragen bewusst werde und sie zulasse.

Das klingt erst einmal sehr ungewöhnlich, und wenn ich Männern gesagt habe, sie sollen sich für 3 Stunden mit einer Isomatte in die Natur setzen und nichts tun, nur hören, war das immer eine besondere Herausforderung. Das Ergebnis allerdings war für sie selbst und andere oft mehr als erstaunlich.

Um mehr darüber zu erfahren schau Dir mal das Video von meinem Freund Joerg an. Hier wird Dir anschaulich erklärt, was der Zauber Deines Sitzplatzes für Dich sein kann.

Sich Gott entgegen strecken, um seiner Stimme zu lauschen.

Hellhörigkeit meint Achtsamkeit: lauschen, hinhören auf sein Inneres und das Äußere. In der Hellhörigkeit lässt man in sich die Weisheit der Gegenwart Gottes entfalten. Der Mensch wird fähig, Gottes wegweisender Kraft zu folgen, so dass der eigentliche Sinn des Lebens ständig klarer hervortritt. Es geht nicht nur ums Lauschen, sondern auch darum, seinen eigenen Idealen treu zu bleiben.

Madonna in Sygard Grytting Kapelle

Der heilige Olav ließ seine Autorität und Leitungsstärke ruhen in der Hellhörigkeit auf Gott. Was könnte Gott jetzt von mir wollen? Hier hatten seine Handlungskraft und sein strategischer Sinn ihre Quelle. Es wird erzählt, dass er sich vor einer entscheidenden Schlacht ins Gebet vertiefte. Kurz vor seinem Tod, als er auf Reise durch Norwegen war, hatte Olav einen Traum. Alle Berge des Landes, das ganze Meer und alles Land zeigten sich ihm. Der Horizont schimmerte und Landschaften der ganzen Welt entfalteten sich vor seinen Augen.

So können Träume uns Botschaften überliefern oder uns helfen, die Dinge zu verstehen. Bilder, Visionen und Beobachtung in der Natur können uns zeigen, wo der Weg lang geht.

Literaturhinweis:

Daniela Heisig,

Sinn finden in der Natur.

Heilsame Rituale für Lebensübergänge.

© Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2013.