Tag 20 – Montag – 5. August

Von Skaun nach Sundet gård, 18,2 km, 583 m hoch, 668 m runter, Weghöhe 0 bis 402 m, Start 8:15, Ankunft am Sund 13:15 Uhr, Temperatur 12 bis 17 Grad, bewölkt

Nochmal ein Blick zurück
Das Meer in Sicht

Ausgeschlafen und gut gelaunt mache ich mich um 8:15 Uhr heute auf den Weg. Karl, Katja, sowie Ksenia und ihr Freund sind beim Morgengebet dabei. Greta hat heute Nacht ein wenig gejammert, weil sie allein im Zelt schlafen musste. Ich habe das nicht mitbekommen, aber die anderen, die im Zelt daneben schliefen. Gestern Abend gab es noch eine lange Diskussion ob 400 NOK für eine Hütte ohne Strom und die Fährüberfahrt zu teuer seien. Ich wundere mich und werde in Sundet gård schlafen. Als ich am Wasser ankomme und den Fährmann anrufe, sagt er, dass er gerade in der Stadt sei. Ich sage: „Ich warte“, er sagt „Das kann lange dauern.“ Ich frage: „Wie lange?“ Er sagt bis 15:00 Uhr. Das ist kein Problem für mich, dann mache ich so lange meinen Blog. Er will noch wissen, ob ich dort schlafen möchte und am Essen teilnehmen will. Beides bejahe ich.

Meinen Rucksack hatte ich unten am Wasser abgestellt. Die Ebbe Bilder fand ich schon in Frankreich immer interessant, jetzt also auch hier. Als Karl kommt, sagt er, dein Rucksack steht im Wasser. Er kam gerade rechtzeitig, 20 cm stand er schon im Wasser, als ich ihn abstellte war das Wasser noch 50 cm tiefer, und: Ich hatte ihn auf einem Stein abgestellt. Das hätte ganz schön nass werden können, jetzt ist nur Zelt und Liegematte tropfnass. Der Fährmann sagt dann noch, dass es 3 Meter Tiedenunterschied sind. Da merkt man halt, dass ich nicht an der Küste aufgewachsen bin, sondern im Alpenvorland.

Ebbe am Fjord
Bären sind erlaubt, aber keine Hunde
Wir müssen übers Wasser oder 6,3 km Umweg
Sundet gård in Sicht

Vorgestern machte sich in mir eine gewisse Wehmut breit. Denn das Ende des Weges kam in Sicht. Gestern verwandelte sich das Gefühl, eine immer größere Freude breitet sich in mir aus. Was ich auch bemerkt habe: Wenn ich mit anderen über Barbaras Tod spreche, muss ich nicht mehr weinen. So wie ich auf Meereshöhe angekommen bin, scheine ich auch zur Ruhe gekommen zu sein.

Das vorletzte Höhenprofil

Die Überraschung ist perfekt, als wir aus dem Boot aussteigen und unser Quartier beziehen. Ich lasse erst mal die Bilder sprechen.

Überfahrt
Sundet gård – Links der Stabur, unsere Unterkunft
Gleich gibt es Pilgersuppe
Hackbällchen aus Schafsfleisch
Pflaumen aus dem Garten des Hauses
Hier schlafe ich
und hier die Anderen
Stabur mit Sonnenterrasse
Da hat jemand ein Händchen für Gestaltung
Es ist wieder Ebbe ….

Heiligung – oder: Warum es wichtig ist, sich seinem Schatten zu stellen

41 Jahre gehe ich schon mit diesen Schuhen und habe dabei vieles entdeckt. Nicht nur Schönes

Der Regenbogen, der sich so am Himmel zeigt, dass die Farben im Licht sichtbar werden.

Auf dem meinem Lebensweg habe ich entdeckt, welche Fähigkeiten und Begabungen mir geschenkt wurden und in mir schlummern. Und immer dann, wenn ich etwas weitergegeben habe oder sie mit anderen teilte habe ich erlebt, dass dadurch Gutes geschehen ist.

Was inspiriert einen Menschen dazu, Stärken, Liebe und Versöhnung fließen zu lassen? In welchen Situationen kann das Heilige durch einen Menschen hindurch wirksam werden?

Leider gibt es auch die andere Seite, das Zerstörerische und Unerlöste. C.G. Jung nennt es den Schatten. Schatten sind die Teile in uns, die wir unterdrückt halten. Es sind die Themen und Teile in uns, denen wir uns nicht wirklich stellen möchten, weil wir sie nicht mögen.

• Wer gesteht sich gerne ein z.B. aggressiv zu sein?

• Wer gesteht sich gerne ein hyperempfindlich zu sein?

• Wer gesteht sich gerne ein auf bestimmte Menschen unfreundlich zu reagieren usw.?

• Wer gesteht sich gerne ein, dass er von sich glaubt nicht gut genug zu sein?

Manchmal entdecken wir Teile unseres Wesens, die wir nicht gerne zeigen möchten. Sehr oft möchten wir sie auch uns selbst nicht zeigen bzw sie ansehen. Wir haben Glaubenssätze, unverarbeitete Erfahrungen und Tabus ganz tief in unserm Unterbewusstsein vergraben.

Wenn wir uns diese Teile nie ansehen, können daraus Ängste und Schuldgefühle, Krankheiten und sonstige Disharmonien, Lebenskrisen und Partnerschaftsprobleme entstehen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Gott will, das wir ein Segen für diese Welt sind, aber wir können uns selbst und die Welt nicht heilen, wenn wir nicht bereit sind, uns selbst zu erkennen, zu reflektieren und die Verantwortung zu übernehmen. Heiligung heißt deshalb für mich bereit für Kritik, offen für Feedback und mutig bei der Frage zu sein: Was siehst Du bei mir? Und die Entscheidung mich dem heilenden Wirken Gottes auszusetzen durch Stille, Gebet und verbindlicher Gemeinschaft.

Eine Erfahrung die ich dabei vor einiger Zeit gemacht habe, möchte ich dazu gerne mit euch teilen. Schaut euch dazu bitte dieses Video an: Schattenarbeit – oder: Wer darf in mein Leben sprechen?

Als Olaf in der Schlacht bei Stikklestad verwundet wurde, sah er ein, dass er nicht genug Kräfte hatte, seinen Widersacher zu besiegen.

Der Legende nach warf er sein Schwert fort und betete zu Gott. Während des Gebets bekam er den Todesstreich und starb. Erst später bemerkte man eine Kraft, die Olaf zu folgen schien. Viele meinten, wundersame Heilungen geschähen in der Nähe seines Leichnams. Es heißt, die Wunder hielten viele Jahrhunderte an.

Während seines Lebens entstand ein immer wahrhaftigeres und deutlicheres Bild von ihm selbst, wer er eigentlich war. Seine Kraftfülle wurde bereichert und vertieft durch Verwundbarkeit und Offenheit, die auch in ihm wohnten. Seine Handlungskraft und Entschlossenheit reiften, je mehr Demut und Nachdenklichkeit Raum gewannen.

Die offene Hand – Künstler: Henning Diers, Nienburg

Durch seinen Tod konnte Olaf Christi Kreuz und Liebe vermitteln. So geschah eine Verwandlung und Heiligung. Olaf durfte sich selbst Christus hingeben und daraus wuchs eine Kraft, die neues Leben schuf, Mut und Linderung für viele. Olaf hatte sich für Gottes Willen geöffnet und ließ die Liebe Christi durch sich handeln.