4. Tag

Von Gillesvollen nach Sygard Grytting

21,2 km, unterwegs von 8:00 bis 16 Uhr, 715 m rauf, 660 m runter, Weg läuft auf 197 bis 355 m

Diese Schilder sind Mutmacher

Leider hatte die Stabkirche Öffnungszeiten: 9 bis 17 Uhr, so bin ich los ohne drin gewesen zu sein.

Im Lauf des Tages lerne ich weitere Pilger kennen: Jonas aus Stade, Jennifer aus Hamburg und Andreas aus Wien.

Das Dale-Gudbrands Pilegrimssenter ist leider geschlossen. Es wird also nichts mit kostenlosem Kaffee für Pilger. So holen wir Kaffee im daneben liegenden Hotel.

Pause vor dem geschlossenen Pilgercenter mit Jonas, Ellen und Anthony

Unser Ziel ist Sygards Grytting. Seit 1534 in Familienbesitz ist es eine beeindruckende Anlage. Wir beschließen den Pilgermodus für einen Abend zu verlassen und melden uns für das 3-Gänge Menü an. Die Bilder sprechen für sich.

Die kleine Kapelle des Hofs

Die Pilgerrunde am gemeinsamen Tisch

Der Nachtisch hat das ganze Essen gekrönt

Wir treffen uns nach einer Hofführung alle in der Kapelle um dort mit dem Abendsegen den Tag zu beschließen. „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget“.

Am Abend fängt es an zu regnen. Einen Pausentag zu machen erweist sich als die richtige Entscheidung. Es ist ja auch Sonntag.

Kraftfülle

Bei Kraftfülle geht es darum, sich auf ein Ziel hin vorwärts zu bewegen. Während ich gehe, tritt das Ziel immer deutlicher hervor. Da sind Stärke und Ausdauer gefragt und der Mut, voranzugehen, auch wenn es Kampf bedeutet. Meist ist dieser Kampf der Kampf gegen sich selbst. Es bedarf einer Achtsamkeit, um innere und äußere Widerstände wahrzunehmen und sie zu überwinden. Die Herausforderung ist sich dem Wind, dem Regen, dem Sturm, dem Hochwasser oder anderen Widrigkeiten zu stellen. Es gibt kein Hindernis, dass so groß ist, dass es nicht überwunden werden kann.

Und sei es auch die norwegische Hybris, dass bei einer Hundebegegnung eine lebensbedrohliche Allergie ausgelöst wird.

Von seiner frühen Jugend an war Olaf durch eine große Kraft geprägt. Bevor er durch seine tiefere Bekehrung hindurchging, hatte die Kraft weder klare Richtung noch Ziel. Als junger Wikinger war seine Kraft ungezähmt und von den Idealen geprägt, die für jeden Wikinger wichtig waren: der eigene Gewinn und Reichtum. Die Nordmänner waren nicht nur Abenteurer und Räuber, sondern auch professionelle Krieger oder Söldner, die ihre Dienste jedem angeboten, der Bedarf hatte. Bis zu seiner Konversion in der Normandie hatten Olafs Unternehmungen keine klare Richtung. Seine Kraftfülle richtete großen Schaden an.

Auch das kenne ich: Wenn ich mich aus dem Wirkungsbereich des Heiligen Geistes entferne, richte ich Schaden an. In mir selbst und bei anderen, sowie an der Umwelt. Darum ist Achtsamkeit gefragt um in dieser positiven Kraftfülle zu bleiben. Es ist meine Königsenergie.

3. Tag

Von Mageli Camping zur Gildesvollen Pilegrimsherberge

20 km, 1074 m hoch, 1017 runter, Weg läuft zwischen 194 bis 406 m Meereshöhe

Heute Morgen bin ich schon um 8:00 Uhr los gegangen, weil es ab 9:00 Uhr regnen sollte. Es hat aber schon um sieben geregnet. So hat auch das Regenzeug jetzt seine Funktion erfüllt.

Gestern auf dem Campingplatz habe ich die ersten beiden Pilger getroffen. Gaby aus Göttingen und einen Mann aus Dänemark. Heute Morgen sind wir uns auf dem Weg wieder begegnet und es kamen noch zwei Schwestern aus Aachen dazu. In der Pilgerherberge traf ich dann einen weiteren Mann, einen Engländer.

Die Pilgerherberge ist in einem historischen Gebäude untergebracht, die Gastgeber sind eine norwegisch- niederländische Familie, sie betreiben eine Holzwerkstatt und im Winter eine Webschule.

Direkt daneben steht Ringebu stafkirke. Sie ist eine von nur noch 28 verbliebenen Stabkirchen in Norwegen.

Ankunft war um 15:15 Uhr. Fühle mich gut und Greta läuft wie ein Uhrwerk. Greta scheint es richtig Spaß zu machen.

Heute bin ich auch einem kleinen Olafskönig begegnet.

Aufbruch in Lillehammer

Anders als gedacht hat mich NETTBUSS diesmal nicht mitgenommen, denn Hunde sind im Bus in Norwegen nicht erlaubt. Also Fahrkarte storniert und zum Bahnhof. Denn durch das Pilgercenter habe ich erfahren, dass man Hunde im Zug doch mitnehmen kann (die Information der Deutschen Bahn für Norwegen und Hunde sind falsch). Jetzt bin ich statt 12:20 Uhr um 12:38 Uhr in Lillehammer. NettBus heißt also nur so, ist aber nicht nett. Auch ein Anruf des Fahrers bei der Zentrale konnte keine Ausnahme bewirken.

Dieses Zeichen wird mich jetzt die nächsten 22 Tage begleiten.

Vor mir liegen 420 km und die Höhenprofile der einzelnen Tage sagen mir, dass meine Kondition noch besser sein wird als jetzt. Ich bin froh statt des Pilgerstocks meine Walkingstöcke mitgenommen zu haben. Es ist jetzt 12:50 Uhr und ich schaue mal, wieviel Kilometer heute noch möglich sind.

Roger gibt mir den Pilgersegen im Oslo Pilgercenter und die wichtige Information, dass ich in Zügen in Norwegen doch mit dem Hund fahren kann.

Oslo – wo der Weg eigentlich anfängt

Ich bin in Oslo angekommen. Hier in Oslo habe ich mir meinen Pilgerpass besorgt, einen weiteren Pilgersegen bekommen und den ersten Stempel. Jetzt bin ich erst einmal froh, dass ich soweit bin und ohne größere Schwierigkeiten die Anreise gemeistert habe. Morgen früh geht es mit dem Bus nach Lillehammer.

Der Campingplatz ist super, er liegt über der Stadt mit weitem Blick. Freundliche Schweizer aus Olten haben mein Handy aufgeladen und mir einen Kaffee spendiert und die Holländer von nebenan haben mich mit Wein und Brot versorgt – was für ein Zeichen!

NettBus – Start in Göteborg

Traudel, meine Gastgeberin aus der deutschen Gemeinde in Göteborg, bringt mich zum Busterminal.

Danke an Maike Gamer, der deutschen Auslandpastorin, die mir diese wunderbare Frau und die Unterkunft vermittelt hat. Wir teilten die Liebe zum Garten – er hat Ähnlichkeit mit meinem zuhause, unsere Liebe für Schweden und die Faszination für Norwegen. „Norwegen ist atemberaubend, Schweden ist atemgebend.“ – so ihr Kommentar.

Gastfreundschaft im umfassendsten Sinne habe ich erlebt. Danke.

Ich werde wiederkommen – nicht nur auf der Rückfahrt!

Und als Segen lasse ich zurück:

3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.


aus Matthäus 5 – Bibellese des heutigen Tages

Die Hinreise

Jetzt bin ich gerade in Buchholz gelandet. Hier werde ich übernachten, um dann morgen mit der S-Bahn nach Hamburg zu fahren um dort in den Zug nach Göteborg einzusteigen. Die erste Überraschung hatte ich, als ich gestern mit Herbergen in Oslo telefonierte und die Nachricht bekam, dass ich in keiner der drei Herbergen mit Hund übernachten kann. So bin ich also in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf einem Campingplatz in Oslo. Bin gespannt wie das weitergeht bei den anderen Pilgerherbergen.

Anstoß

Der gegenwärtige Augenblick ist das Fenster,
durch das Gott in das Haus meines Lebens schaut.“

Meister Eckhart

Der Countdown läuft, heute habe ich die Rückreise gebucht und Henrik hat mir dabei geholfen. Denn es ist gar nicht so einfach, in Norwegen mit dem Hund zu reisen. Deswegen geht es von Trondheim nach Aare in Schweden und von dort mit dem Liegewagen über Nacht nach Göteborg zurück.

Davor ist noch einiges zu tun:

1. die Gräben in meinem Garten wieder zu schieben.

2. Die Angebote des spirituellen Kalenders für das zweite Halbjahr auf der Homepage http://www.evangelische-spiritualitaet.de einpflegen.

3. Die Abschiedsgartenparty mit Nachbarn und Freunden am Sonnabend den 13. Juli organisieren.

Gott, was meinst du, hab ich mir zu viel vorgenommen?